Abstract
Junge Menschen in psychischen Krisen haben keinen einfachen Zugang zur klinischen Versorgung und zeigen die geringste Adhärenz zu den konventionellen klinischen Angeboten. Um diese Barrieren abzubauen und eine jugendgerechte Früherkennung, Frühintervention und psychosoziale Versorgung zu ermöglichen, werden niederschwellige und integrierte Angebote (Integrated Youth Mental Health Services [IYMHS]) international empfohlen.
Ziel der Arbeit Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick über die niederschwelligen IYMHS-Angebote weltweit und in Deutschland zu geben. Zudem sollen die internationalen Erfahrungen in der Inanspruchnahme berichtet und die Evidenz zur Wirksamkeit von IYMHS zusammengefasst werden. Methoden Die narrative Übersichtsarbeit basiert auf Recherchen in PubMed inklusive der Nutzung publizierter Reviews. Ergebnisse Internationale Entwicklungen zeigen, dass sich IYMHS als innovative Versorgungsmodelle für junge Menschen in psychischen Krisen etabliert haben.
Australien gilt mit seinem landesweiten Netzwerk von headspace-Zentren als Vorreiter. In Deutschland gibt es mit soulspace ein erstes Modellprojekt, ein weiteres – ancora – befindet sich im Aufbau. Bisherige Evaluationen zeigen, dass viele junge Menschen, die sonst keine Hilfe in Anspruch genommen hätten, diese integrierten Angebote nutzen und überwiegend symptomatische und funktionelle Verbesserung erfahren. Schlussfolgerung Die bisherigen internationalen Erfahrungen und Pilotprojekte in Deutschland zeigen das Potenzial der IYMHS, jungen Menschen mit ersten psychischen Symptomen frühzeitig und niederschwellig Unterstützung anzubieten. Für Deutschland wird der Ausbau einer integrierten, sektorenübergreifenden Versorgungsstruktur empfohlen, realisiert durch die Bündelung von Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung und von öffentlichen Fördermitteln.
